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Nachhaltigkeit am Counter

WORAN SIE BELASTBARE NACHWEISE ErkennenNachhaltigkeitszertifikate

WORAN SIE BELASTBARE NACHWEISE ERKENNENNachhaltigkeits-zertifikate

Der Tourismus trägt in erheblichem Maße durch den Ausstoß von Treibhausgasemissionen, intensiver Energie- und Wassernutzung, konventioneller Ernährung sowie geänderter Landnutzung zum Klimawandel und dem Verlust der biologischen Vielfalt bei.

Und nicht nur der Faktor Umwelt beeinflusst die Nachhaltigkeit. Zusätzlich entsprechen die Arbeitsbedingungen in der dienstleistungsorientierten Tourismusbranche mitunter nicht den globalen Menschenrechtsstandards (bspw. durch Saisonverträge, mangelnde Schulungsangebote, fehlende Krankenversicherung oder Sozialleistungen, unbezahlte Überstunden bis hin zu Kinderarbeit). Die Priorisierung der Menschenrechte ist für die Schaffung einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Tourismusbranche unerlässlich.

Aber welche Anbieter arbeiten nun wirklich nachhaltig, im eigentlichen Sinne des Begriffes?

Das ist nicht ganz einfach, denn es gibt über 200 verschiedene touristische Nachhaltigkeitslabels weltweit und nicht alle greifen auf die gleichen Kriterien zurück.16 

Neue Vorgaben für Nachhaltigkeitssiegel seit September 2026

Seit dem 27.09.2026 gelten neue Vorgaben zur Stärkung der Verbraucher:innen für den ökologischen Wandel (die EU EmpCo-Richtlinie, mehr dazu in Kapitel 7.2).

Auch Nachhaltigkeitszertifikate und Nachhaltigkeitsinformationen fallen hier drunter, bekommen aber einen klareren Rahmen: Entscheidend ist, dass Aussagen konkret, belegbar und nachvollziehbar sind.

Welche Anforderungen gelten für Nachhaltigkeitssiegel?

Ein Nachhaltigkeitssiegel darf gegenüber Verbraucher:innen nur noch verwendet werden, wenn es auf einem Zertifizierungssystem beruht oder von einer staatlichen Stelle festgesetzt wurde.

Zulässige Zertifizierungssysteme beinhalten bspw. öffentlich zugängliche Kriterien, Überprüfung der Einhaltung der Kriterien vor Ort oder online durch unabhängige Dritte sowie ein diskriminierungsfreier Zugang für alle Betriebe. Eine Selbstbewertung durch den Anbieter oder eine Plattform genügt nicht. 

Orientierung für Ihre Beratung: Welche Arten von Kennzeichnungen gibt es?

Für die Praxis hilft es, zwischen zwei Gruppen zu unterscheiden:

  1. Zertifizierungssysteme und Anerkennungsstellen

Hierzu zählen der Global Sustainable Tourism Council (GSTC) sowie die Tourism Sustainability Certifications Alliance (TSCA).

  1. Kennzeichnungen von Buchungsportalen und Vertriebssystemen

Hierzu zählen der FAIRWEG-Score und das STAYFAIR-Attribut. Diese Kennzeichnungen beruhen auf einer Bewertung durch das jeweilige Portal und erleichtern die Recherche.

Zertifizierungssysteme und Anerkennungsstellen

Der Global Sustainable Tourism Council hat globale Mindeststandards für ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit gesetzt. Der GSTC zertifiziert selbst keine Hotels oder Reiseangebote, sondern erkennt Zertifizierungssysteme an und akkreditiert Zertifizierungsstellen. Von GSTC anerkannte bzw. akkreditierte Label erfüllen diese Mindeststandards.17

Nennen Sie gegenüber Kund:innen daher immer das konkrete Zertifikat der Unterkunft und nicht den GSTC selbst.

Die Tourism Sustainability Certifications Alliance ist ein Zusammenschluss führender, weltweit anerkannter Zertifizierungsstellen. Die Mitglieder der TSCA haben einen Mindeststandard für Nachhaltigkeit entwickelt, der ökologische, soziale und ökonomische Kriterien umfasst und den alle Zertifizierungsorganisationen einhalten müssen.
 Zusammen repräsentieren sie nach eigenen Angaben rund 19.000 zertifizierte Unternehmen weltweit.18 

Kennzeichnungen von Buchungsportalen und Vertriebssystemen

Der FAIRWEG Score wurde vom Online-Buchungsportal FAIRWEG ins Leben gerufen, um die Suche nach Unterkünften mit nachweislichem Engagement zu erleichtern und die Vergleichbarkeit zwischen Unterkünften zu ermöglichen. Er ist ein transparenter Vergleichsindex, der öffentlich verfügbare Angaben zum nachhaltigen Engagement einer Unterkunft bündelt und übersichtlich darstellt und keine Zertifizierung durch eine unabhängige dritte Stelle.

Der FAIRWEG Score zeigt anhand von 12 Kriterien (wie bspw. Umwelt-, Wasser-, Energie- und Abfallmanagement, Plastikvermeidung, soziales Engagement oder Bio-Küche), wo eine Unterkunft ökologisches und soziales Engagement zeigt und wo es noch Entwicklungspotential gibt.19

Das STAY FAIR Zeichen markiert Unterkünfte gekennzeichnet, die eine aktuell gültige und unabhängig geprüfte Nachhaltigkeitszertifizierung nachweisen. Es werden ausschließlich Zertifizierungssysteme berücksichtigt, die den Anforderungen der EU-EmpCo-Richtlinie entsprechen (welche das sind, können Sie auf der Webseite von STAY FAIR nachlesen).

Die mit dem STAY-FAIR Zeichen markierten Unterkünfte sind bspw. in Vertriebssystemen wie dem amadeus Bistro Portal deutlich erkennbar. Auch das jeweilige Zertifikat der Unterkunft und seine Gültigkeitsdauer ist in den Systemen nachvollziehbar.20

Diese Anhaltspunkte helfen Ihnen bei der eigenen Einschätzung. Gegenüber Kund:innen benennen Sie daraus nur die jeweilige konkrete Maßnahme, etwa, dass ein Haus Trinkwasserspender bereitstellt, und nicht daraus auf eine nachhaltige Unterkunft ableiten. Der Schluss von einzelnen Maßnahmen auf eine nachhaltige Unterkunft ist eine allgemeine Umweltaussage und gleichzeitig eine nicht zulässige Ausweitung auf das Gesamtangebot.

Weitere Informationen und Tipps für das Gespräch mit Kund:innen erhalten Sie in Kapitel 7 (Kommunikation).

Info

Vor allem kleine (Familien-) Betriebe können sich eine Zertifizierung mit einem globalen Label oftmals nicht leisten, da dies hohe Kosten und einen hohen Personal- und Bürokratieaufwand mit sich bringt. Immer mehr Zertifizierungsorganisationen bieten daher niederschwellige Programme für Einsteiger:innen und kleine Betriebe an, damit sich auch diese ihre nachhaltigen Bemühungen anerkennen lassen können. Hier ein paar Hinweise, woran Sie nachhaltiges Engagement auch nicht zertifizierter Betriebe erkennen können:

  • Ressourcensparende Maßnahmen (bspw. Solarenergie, Wasserspender, Verzicht auf Plastik)
  • Regionale und saisonale Speisen/ Slow Food/ Angebot von veganen und vegetarischen Speisen
  • Angebot der Abholung vom Bahnhof, Hinweis auf ÖPNV-Anbindung
  • Bereitstellung von (E-)Bikes

Nachhaltigkeit wirkt positiv auf den Tourismus bspw. durch den Schutz der Natur und Förderung guter Arbeitsbedingungen, die Reduktion intensiver Ressourcen- und Energienutzung – damit wir auch in Zukunft noch unbeschwert reisen können.

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